1,4 Millionen Kinder und Jugendliche leiden in Deutschland unter Essstörungen

Gebot eins: “Wenn ich nicht dünn bin, bin ich nicht attraktiv.” Gebot neun: “Du bist niemals zu dünn.” Gebot zwei jedoch: “Dünn zu sein ist wichtiger als gesund zu sein.” Die zehn Gebote der Magersüchtigen sind mit ein paar Klicks im Internet leicht zu finden. Unter dem Schlagwort Pro-Ana - für Anorexia nervosa präsentieren Betroffene im Netz stolz ihre „Erfolge“ im Kampf gegen das Fett, motivieren andere Magersüchtige zu immer neuen „Rekorden“ an und dokumentieren ihre Leidensgeschichte, im Zweifel bis in den Tod. “Die Krankheit Magersucht wird zu einem attraktiven Lifestyle verherrlicht”, sagt Katja Rauchfuß von der Initiative jugendschutz.net, die seit Ende 2005 mehr als 300 Pro-Ana-Internetseiten untersucht hat. 80 Prozent davon “haben eine destruktiven Inhalt”.1,4 Millionen, also mehr als ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren leiden in Deutschland unter Essstörungen oder zeigen erste Symptome von Magersucht Ess-Brech-Sucht (Bulimie) oder Fettsucht. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wollen 56 Prozent der 13- bis 14-Jährigen dünner sein, ein Drittel würde gern besser aussehen und Gewicht verlieren. Aufklärungsarbeit ist deshalb sehr wichtig. Früher litten eher Frauen an Essstörungen, heute sind vor allem junge Mädchen stark gefährdet und sogar Kinder betroffen. “Häufig kommen die 13- bis 14-jährigen Mädchen mit Problemen zu uns”, sagt Martina Hartmann vom Berliner Verein Dick und Dünn, der seit 1985 Essgestörte berät. “Aber es fängt schon bei den Neun- und Zehnjährigen an.” Gründe dafür sieht Hartmann im Schönheitsbild der Medien, einem gestiegenen gesellschaftlichen Druck, “gut sein zu müssen”, aber auch in familiären Hintergründen und dem früheren Beginn der Pubertät. “Das Problem hat sich verschärft”, sagt der Psychologe Hannes Niggenaber, Ratgeber bei der Jugendzeitschrift “Popcorn”. “Mädchen scheitern heute am eigenen Perfektionsdenken”. “Kein Mädchen zwischen zwölf und 15 Jahren fühlt sich für das andere Geschlecht schön genug. Bedenklich ist es, wenn die Gedanken des Betroffenen ausschließlich um Essen und Gewicht kreisen und damit zu einer Vernachlässigung und schließlich der Verlust der Freunde führt. Betroffen von Essstörungen sind nicht nur die Mädchen: 13 Prozent der 17-jährigen Jungen gelten mittlerweile als auffällig. Allerdings äußert sich die Essstörung bei ihnen häufig auf andere Weise als bei den Mädchen. “Die männliche Bewältigungsstrategie im Drang nach Perfektion ist exzessiver Sport”, sagen Psychologen. Bei der sogenannten Sportbulimie ist das Erbrechen nach den Mahlzeiten durch übertriebenen Muskelaufbau und zwei bis drei Stunden tägliches Training ersetzt. Wenn Sie bemerken dass einer Ihrer Angehörigen davon betroffen ist, dann sollten sie so schnell wie möglich einen Arzt suchen, der sich auf Essstörungen spezialisiert, und der die richtige Hilfe geben kann.

This entry was posted on Freitag, Oktober 24th, 2008 at 10:35 and is filed under Essstörungen, Magersucht. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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